Quelle: ovz-online.de

Vor einigen Tagen haben sie gefeiert – die in der Selbsthilfegruppe der Rollstuhlfahrer vereinten Frauen und Männer. Im März 1994 – vor 25 Jahren und keine vier Jahre nach der Wiedervereinigung – wurde die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Im Bürgerzentrum in Altenburg-Nord, in dem man mit dem Rollstuhl auch barrierefrei unterwegs sein kann und an das damals vor 25 Jahren noch keiner denken konnte. Dort hat sich die Runde auch zur Jubiläumsparty getroffen.

„Aktuell sind wir 15 Rollifahrer. Hinzu kommt der jeweilige Anhang“, rechnet Schmidt die aktuelle Mitgliederzahl im Alter zwischen 42 und 80 Jahren zusammen. Sie kommen mittlerweile aus dem gesamten Landkreis und sogar aus Frohburg. Hinzu kamen zur Feier auch diverse Gratulanten. „Das war eine ganz lustige Sache. Wie es bei uns eigentlich immer ist. Denn wir reden ja nicht laufend über unsere Krankheiten. Dass wir im Rollstuhl sitzen, wissen wir alle“, sagt Andreas Schmidt. 25 Jahre Selbsthilfegruppe: Da kann der langjährige Chef – Schmidt steht den Rollis, wie sie sich selber nennen, seit 1995 vor – eine Menge erzählen.

Nicht jammern, sondern machen

„Zu viert haben wir damals die Gründung durchgezogen. Damals war Norbert Gatz der erste Leiter, der aber ein Jahr später erfolgreich ein Theologiestudium begann. Danach habe ich übernommen“, plaudert Schmidt. Nein, niemals sei das Hauptanliegen gewesen, unter ebenso Betroffenen ausschließlich über die eigenen Leiden zu klagen. „Wir wollten zusammen einfach ein paar schöne Stunden erleben, wenngleich wir auch ernsthafte Ziele bis heute verfolgen. Dabei fragen wir aber nie nur, was die Stadt für uns tun kann, sondern auch, was wir für sie tun können“, so der Leiter. Kegelabende und auch Ausfahrten gehören ebenso zum Repertoire wie diverse Vorträge von Fachleuten, die den Betroffenen wichtige Tipps für den eigenen Alltag geben.

Im Mittelpunkt des Wirkens der Rollis stand über all die Jahre das Thema Barrierefreiheit in und um Altenburg. „Uns allen war jederzeit klar, dass es in Altenburg schon rein von der Topographie her niemals eine völlig Barrierefreiheit geben kann. Doch vieles kann schon mit vergleichsweise geringem Aufwand spürbare Erleichterungen für Rollifahrer & Co. bringen“, sagt Schmidt, der auch 15 Jahre im Altenburger Stadtrat saß und dort im Bauausschuss bei vielen Projekten ein Streiter für die Belange von Menschen mit Handicap war. „Das betrifft ja auch die Besitzer von Rollatoren oder junge Muttis mit Kinderwagen.“
Viele Barrieren sind verschwunden

Auch durch die Bemühungen der hiesigen Rolligruppe sei beispielsweise die Schwimmhalle aktuell komplett problemlos erreichbar. Gleiches gelte für die Music Hall sowie fast alle öffentlichen Toiletten in der Stadt, nennt Schmidt ein paar Beispiele. Wenngleich es auch noch reichlich Baustellen in der Stadt gebe. Das Schloss und das Lindenau-Museum seien solche Fälle, aber auch der Altenburger Bahnhof, wo trotz millionenschwerer Sanierungs- und Ertüchtigungsarbeiten der Wunsch der Rollis nach einem zweiten Fahrstuhl am Gleis 1 von der Bahn nicht realisiert wurde. „Wer als Betroffener beispielsweise von einem ankommenden Zug auf Gleis 3 in einen Zug auf Gleis 1 umsteigen muss oder umgekehrt, der muss den langen Umweg durch den Tunnel und über die Ampel nehmen“, ärgert sich Schmidt.
Auch Schulprojekte gab es immer

Keineswegs agiert die Gruppe nur unter sich. „Wir haben in den zurückliegenden Jahren zahllose Projekte in Altenburger Schulen umgesetzt. Damit konnten wir junge Leute, die nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind, für unsere Bedürfnisse und Probleme sensibilisieren.“

Solche Projekte sind in den zurückliegenden 25 Jahren eine Konstante in der Arbeit der Selbsthilfegruppe. Eine weitere ist der behindertengerechte Garten, der 1996 im Rahmen des Projektes „Garten 2000“ vom Regionalverband der Kleingärtner in der Anlage „Weißer Berg“ geschaffen wurde, und den seither die Rollis ohne Unterbrechung in ihrer Obhut haben. „Der Garten ist bei uns auch ein beliebter Treffpunkt, um zu arbeiten und zu feiern. Große Unterstützung erhalten wir da von den anderen Kleingärtnern“, bedankt sich Schmidt.

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